#9 - "Senf braucht Heimat." - Michael Durach (Inhaber, Develey)
Shownotes
**Senf braucht Heimat und Führung braucht Haltung. ** In dieser Episode von TOPSHELF sprechen Dr. Marcel Hahne und Florian Schmitz mit Michael Durach, Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter von Develey, über unternehmerische Verantwortung jenseits von Quartalslogiken. Ein Gespräch über Führung im Familienunternehmen, über Entscheidungen mit Langfristigkeit und über die Frage, wie man Tradition, Innovation und wirtschaftliche Konsequenz zusammenbringt.
Michael gibt tiefe Einblicke in die Denkweise eines Mittelständlers, der bewusst in Generationen plant: Warum „Heimat“ ein strategisches Prinzip für Marken und Organisation ist, wie Nachhaltigkeit mit klaren Null-Zielen zum Innovationsmotor wird und weshalb Digitalisierung und KI nur dann wirken, wenn sie als kultureller Wandel verstanden werden. Offen, reflektiert und ohne Management-Floskeln.
Eine Folge über Partnerschaft mit dem Handel, Planungssicherheit als Wachstumsfaktor und Führung auf Augenhöhe – für alle, die FMCG, Retail und CPG nicht kurzfristig optimieren, sondern langfristig gestalten wollen.
Themen der Episode:
- Führen in Generationen statt in Quartalen
- Familienunternehmen, Verantwortung und Entscheidungsstärke
- „Heimat“ als Marken- und Organisationsprinzip
- Nachhaltigkeit mit klarer Null-Ziel-Logik
- Innovation, Digitalisierung und KI als Change-Prozess
- Partnerschaft statt Machtlogik im Handel
Für alle, die FMCG, Retail & CPG gestalten. Jetzt reinhören.
Transkript anzeigen
TOPSHELF #9 – Senf braucht Heimat
Gast: Michael Durach (Inhaber & geschäftsführender Gesellschafter, Develey)
Hosts: Dr. Marcel Hahne & Florian Schmitz
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Marcel Hahne:
Willkommen zu TOPSHELF, dem FMCG- und Handels-Podcast für Visionäre, Branchenexperten und Macher. Es ist der erste Donnerstag im Monat – Zeit für eine neue Folge. Heute mit einem besonderen Gast.
Florian Schmitz:
Wir sprechen mit Michael Durach, einem der geschäftsführenden Gesellschafter von Develey. Gemeinsam mit seinem Bruder führt er das Münchner Familienunternehmen in vierter Generation. Michael verantwortet den Vertrieb und die internationalen Märkte.
Michael Durach:
Servus.
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Florian Schmitz:
Michael, wir sind bei der Vorbereitung über eine schöne Anekdote gestolpert: In München riecht es im Winter manchmal nach Gurken – wegen eures Gurkenwassers.
Michael Durach:
Ja, genau. Unser Gurkenwasser nutzen Städte heute als Auftaumittel. Das ist echtes Upcycling: Wir sparen Entsorgungskosten, Kommunen sparen Salz und Wasser. Ein klassischer Win-win-Business-Case.
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Marcel Hahne:
Erzähl uns ein wenig über Develey – für alle, die die Marken kennen, aber das Unternehmen dahinter nicht.
Michael Durach:
Wir sind ein Familienunternehmen in vierter Generation. Senf, Feinkost, Gurken – regional verankert, mit starken Marken wie Develey, Löwensenf und Bautz’ner. Wir sind in elf Ländern aktiv, exportieren in rund 50 Länder und beschäftigen etwa 2.800 Mitarbeitende.
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Florian Schmitz:
Du sprichst oft von Langfristigkeit und Enkelfähigkeit. Was bedeutet das konkret?
Michael Durach:
Wir haben den Vorteil, nicht quartalsgetrieben zu sein. Wir denken in Generationen. Ich habe den Rucksack nur für eine gewisse Zeit – und muss ihn größer weitergeben. Verantwortung für Menschen, Kunden und die nächste Generation.
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Marcel Hahne:
Wie bist du ins Unternehmen eingestiegen?
Michael Durach:
Vorher war ich im Key Account bei Knorr. Dann kam relativ kurzfristig die Entscheidung, bei Develey einzusteigen – mit Führungsverantwortung für 40 Mitarbeitende. Führung lernt man dann sehr schnell.
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Florian Schmitz:
Was hat dir geholfen, Akzeptanz zu gewinnen?
Michael Durach:
Fachliche Kompetenz, Klarheit und Authentizität. Die Leute müssen wissen, woran sie sind. Ich behandle niemanden anders, als ich selbst behandelt werden möchte.
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Marcel Hahne:
Was macht für dich gute Führung aus?
Michael Durach:
Strategisch denken, aber hands-on bleiben. Herz am richtigen Fleck, klares Wertegerüst – hart, aber fair.
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Florian Schmitz:
Du sagst oft: Senf braucht Heimat. Was meinst du damit?
Michael Durach:
Senf ist regional. Marken brauchen Herkunft. Deshalb produzieren wir regional, mit regionalen Teams und Lieferanten. Das ist kein Marketing, das ist Haltung – auch wenn Berater manchmal etwas anderes empfehlen.
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Marcel Hahne:
Innovation und Nachhaltigkeit spielen bei euch früh eine Rolle.
Michael Durach:
Wir haben 2008 entschieden, bis 2020 CO₂-neutral zu sein. Eine Null versteht jeder. Diese Klarheit hat enorme Innovationskraft freigesetzt – von Energie über Kälte bis zu Nebenprodukten wie dem Gurkenwasser.
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Florian Schmitz:
Wie blickst du auf KI und Digitalisierung?
Michael Durach:
Wie auf Nachhaltigkeit: als Change-Prozess. Nicht ein paar Experten, sondern alle Mitarbeitenden müssen mitgenommen werden. Digitalisierung ist erst dann erreicht, wenn Prozesse wirklich durchgängig sind.
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Marcel Hahne:
Was wünschst du dir von Politik und Handel?
Michael Durach:
Planungssicherheit. Investitionen brauchen Verlässlichkeit. Und im Handel müssen wir weg von Gewinner-Verlierer-Denken hin zu echten Partnerschaften und Lösungen.
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Florian Schmitz:
Wie gehst du mit Einsamkeit an der Spitze um?
Michael Durach:
Sport hilft. Und Menschen, die ehrlich sind – Familie, Freunde, Mitarbeitende. Ehrliches Feedback muss man zulassen.
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Marcel Hahne:
Abschließend: Was möchtest du den Hörerinnen und Hörern mitgeben?
Michael Durach:
Esst mehr Senf – vor allem den richtigen.
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Ende der Episode.
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